Auch in Stockholm kann man unversehens bei seinen Wurzeln landen. Die Bestellung von Äppler und “handost med musik” stieß allerdings auf Unverständnis. Ob das Café ein Plagiat ist?
Halbgarer hessischer Kulturexport
Nachruf auf ein Textil
Loslassen – das will gelernt sein. Dazu braucht es Training, die Ausbildung einer Art negativen Mentalmuskels. Auch, wenn es sich „nur“ um ein Kleidungsstück handelt. Aber „nur“, kann man das sagen, bei 18 gemeinsamen Jahren?
Zeitsprung rückwärts. 1993, kurz vor Weihnachten, Batschkapp – den (Großraum-) Frankfurtern dürfte das ein Begriff sein. Der Sauerstoffgehalt sinkt im Maße wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit steigen. Das Trommelfell dröhnt unter den viel zu laut eingestellten Lautsprechern, der Boden unter dem Getrampel einiger hundert poguender Fußpaare. Are you dead or alive? – das ist die Frage, die es am heutigen Abend zu beantworten gilt und das Publikum gibt sich alle Mühe, keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, für welche Alternative es sich entschieden hat.
Wir sind beim alljährlichen Vor-Weihnachtskonzert der Busters, bei Ska, bei Tanzen und Schwitzen bis zum Umfallen. Und bei meinem langärmeligen weinroten Busters-Shirt, Größe L, weil es damals irgendwie modern war, das einem (auch Mädchen) T-Shirts formlos um den Körper schlabberten. Das Shirt gab es auch in grün, was ich damals aber doof fand und ein paar Jahre später, als ich mich am Weinrot satt gesehen hatte, umgekehrt sah. Hätte ich damals grün gekauft, wäre es natürlich genauso gewesen. 1993, das war jedenfalls die Peace & Pizza Tour, groß zu lesen auf dem Shirt-Rücken, gefolgt von einer Liste aller Orte, die in jenem Jahr in den Genuss der bläserlastigen Gute-Laune-Musik der vielköpfigen Wieslocher Kombo kamen, vervollständigt vom minimalistischen Bandlogo auf der Brust und einem nicht fehlen dürfenden politischen Statement auf dem Ärmel: Ska against racism. Aber hallo!
Die Hälfte meines Freundeskreises bzw. meiner tanzenden und schwitzenden Mitstreiter (was im damaligen Fall auf das gleiche hinaus lief) hatte natürlich das gleiche Shirt und wenn nicht, dann ein ähnliches, die Jungs, uns Mitläufermädels weit voraus, meist einen stofflichen Zeugen dafür, dass das hier mindestens schon ihr drittes Konzert respektive Fanjahr war, sprich Shirts der letzten oder vorletzten Tour.
Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht mehr so recht erinnern, ob ich das Shirt je außerhalb der beschlagenen Wände des damals besten Indie-Clubs des Rhein-Main-Gebiets getragen habe. Wahrscheinlich. Spätestens mit Beginn des Studiums, sprich einer – vor allem musikalisch – neuen Ära, wurde das ehemalige Spaß- jedoch zum Schlaf-Shirt. Degradiert? 18 Jahre lang. Keines meiner anderen Kleidungsstücke reicht annähernd an diese Zahl heran.
Ein Fünftel Jahrhundert allerdings, die gehen an keinem Textil (made in Hongkong) spurlos vorbei, Persils Zahn nagt, zahllose Waschmaschinentrommelumdrehungen fordern ihren Tribut. Die ehemaligen Städte des Ruhms sind verblichen, die politische Parole verblasst, selbst der Name der Band ist kaum mehr als eine Ahnung, dazu fressen sich Löcher ins Gewebe, breiten sich aus wie das Nichts in der Landschaft Fantasiens. Außerdem ist das Gepäckgewicht von Ryan-Air für meinen anstehenden Flug nach Madrid auf 10 kg begrenzt und ich weiß sowieso nicht, wie ich mein ganzes Zeug unterbringen soll.
So wird mein treues Busters-Shirt, das Symbol einer Ära, Zeichen meiner (offensichtlich einmal existiert habenden) Jugend und (auf dem Weg der Selbstfindung unvermeidbaren) musikalischen Irrwege, nun, heute, am 10. März 2011, im Schwedischen Kiruna in allen Ehren in den Mülleimer geworfen. Und bei der nächsten Fahrt zur Mülldeponie eingeäschert. Eigentlich bin ich ganz gefasst. Ich glaub, ich hab das noch nicht richtig realisiert, der Schock und die Trauer werden kommen. Also dann: so long, farewell, R.I.P. – my longest lasting shirt love.
Schwedische Kaffee-(Un-)Kultur

Quelle: Wikipedia Commons
Klassifizierte man Länder nach ihrer Kaffeekultur, Schweden nähme einen der untersten Plätze ein. Schon wenige Kilometer außerhalb der (beiden) großen Städten erntet man bei Bestellung eines „Cappuccino“ oder gar „Latte Macchiatos“ befremdliche Blicke und wird gebeten, Schwedisch oder zumindest Englisch zu sprechen. Oder das Lokal zu verlassen.
Schwedischer Kaffee-, nun -genuß wäre ein unangebrachter Euphemismus, also lieber –konsum bedeutet eine unfreiwillige Zeitreise rückwärts, an den mit Blümchendecke und Sonntagsgeschirr gedeckten, verwandtenumrundeten Tisch bei Omma und: Brühkaffee.
Übertragung
Meine Erfahrungen im Bereich festgefahrener Autos habe ich erfolgreich auf Schneemobile übertragen. Auf dem Foto leider nicht zu sehen, die Ursache des Malheurs: das knietiefe Wasser unter der Schneedecke. Und die 5 cm Eiswasser in meinen Stiefeln.Dafür aber mein (semibegeisterter) Chef im Schneemobilbergungseinsatz. Es war nicht der erste, zu dem er ausrücken musste. Nein, für den anderen konnte ich nichts, ich war noch nicht einmal beteiligt. Für den einen Tag später auch nicht.